Shivering und Headshaking sind zwei neurologische Erkrankungen, die noch nicht vollständig verstanden sind — aber definitiv real. Betroffene Pferdehalter erleben oft eine lange Suche nach der richtigen Diagnose. In diesem Guide erfährst du alles, was aktuell bekannt ist.
Shivering: Was ist das?

Shivering ist eine neurologische Erkrankung, bei der die Hinterhand-Muskulatur bei bestimmten Bewegungen unkontrolliert zittert oder verkrampft — vor allem beim Aufheben der Hufe oder beim Rückwärts-Gehen.
Symptome erkennen
Klassische Anzeichen: - Zittern der Hinterhand beim Hufaufheben - Anhebeln des Beines über normale Höhe - Ruckartige Bewegungen - Schwierigkeiten beim Rückwärts-Gehen - Muskelverspannungen in Kruppe - Manchmal Schweifzittern
Steigerung im Verlauf: - Anfangs nur beim Hufkratzen - Später auch beim Beschlag - Fortgeschritten: auch in Ruhe
Wann fällt es auf?
Häufig zuerst beim: - Hufauskratzen - Schmied-Termin - Rückwärts-Führen - Aus engen Boxen
Wer ist betroffen?
• Große Warmblüter häufig
• Kaltblüter überproportional
• Selten Vollblüter
• Meist ältere Pferde (ab 8-10 Jahre)
• Geschlecht egal
Ursachen
Nicht vollständig geklärt. Vermutet werden: - Neurologische Störung der Nerven-Muskel-Übertragung - Genetische Komponente - Bewegungs-Koordinations-Störung
Ausgeschlossen: - Schmerz ist es meist nicht - Muskelerkrankung nicht die Hauptursache
Diagnose
Meist Ausschluss-Diagnose: - Klinische Untersuchung - Videos an Tierarzt schicken - Bewegungsanalyse - Ggf. weitere Tests zum Ausschluss
Nicht mit Kreuzverschlag oder PSSM zu verwechseln!
Behandlung: Was hilft?
Ehrliche Antwort: Es gibt keine Heilung.
Aber management-basiert helfen:
Bewegung: - Regelmäßige, sanfte Bewegung - Weidegang — sehr hilfreich - Kein Boxen-Halten
Fütterung: - Vitamin E — hoch dosiert - Magnesium - Wenig Zucker/Stärke (wie PSSM-ähnlich)
Beim Schmied: - Erfahrenen Schmied wählen — kein Ziehen - Ggf. sedieren vorher - Regelmäßige Termine kürzer machen
Reiten: - Möglich meist ohne Einschränkung - Fokus auf Losgelassenheit - Kein Zwang
Prognose
• Chronisch und progressiv
• Mit Management langes Reit-Leben möglich
• Aber: irgendwann Einschränkungen
Headshaking: Was ist das?

Headshaking-Syndrom ist eine Erkrankung, bei der das Pferd unkontrolliert und zwanghaft den Kopf schüttelt — meist vertikal, seltener horizontal.
Symptome erkennen
Klassisches Bild: - Ruckartige Kopfbewegungen (vor allem vertikal — “Nickerbell”) - Schnauben - Reiben der Nase an Beinen oder Objekten - Ausschütteln — als ob “Fliegen weg wollten” - Weniger Fresslust in schweren Phasen - Schlechte Rittigkeit
Steigerung: - In der Sonne oft stärker - Nach Belastung - In bestimmten Jahreszeiten (meist Frühling/Sommer)
Zwei Formen
Idiopathisches Headshaking: - Ohne erkennbare Ursache - Häufigste Form - Trigeminus-Neuralgie vermutet
Symptomatisches Headshaking: - Mit Ursache (Zähne, Ohren, Fremdkörper) - Muss behandelt werden
Wer ist betroffen?
• Rund 60% Wallache
• Warmblüter oft
• Ab 5-10 Jahre
• In Deutschland einige Tausend Pferde betroffen
Ursachen
Idiopathisches Headshaking: - Trigeminus-Neuralgie (Nervenreizung im Gesichtsbereich) - Vermutet: Photischer Reiz (Licht triggert) - Genetische Komponente möglich
Symptomatisch: - Zahnprobleme (Backenzahn-Wurzel-Entzündung) - Ohrenmilben oder Fremdkörper - Nasennebenhöhlen-Entzündung - Allergien - Falsches Zaumzeug - Kiefer-Probleme
Diagnose
Erst Ausschluss aller anderen Ursachen:
• Tierarzt eingehend untersuchen
• Zähne kontrollieren
• Ohren untersuchen
• Nasennebenhöhlen röntgen ggf.
• Bluttest auf Allergien
• Video-Dokumentation an Spezialisten
Behandlung
Symptomatisch: - Ursache beheben — sofort besser
Idiopathisch:
Konservativ: - Nasennetz (blockt Lichteinfall) - UV-Fliegenmaske ganztags - Ruhige Reit-Zeiten (früh oder abends) - Weiches Gebiss - Ggf. gebisslos
Medikamentös: - Magnesium — bei vielen wirksam - Cyproheptadin — Antihistamin - Melatonin — Testphase - Carbamazepin — Nerven-Medikament - Alle nur auf Verordnung
Operative Ansätze: - Nervenblockade (Trigeminus) - Aktuell erforscht - Nicht Standard
Prognose
• Sehr individuell
• Manche Pferde über Jahre stabil managbar
• Andere schwer betroffen
• Reiten oft nur eingeschränkt möglich
Vergleich Shivering vs. Headshaking
|
Kriterium |
Shivering |
Headshaking |
|
Symptom |
Zittern Hinterhand |
Kopfschütteln |
|
Auslöser |
Hufheben, Rückwärts |
Licht, Wärme, unspezifisch |
|
Häufigkeit |
Selten |
Häufig |
|
Rasse-Präferenz |
Große Warmblüter, Kaltblüter |
Warmblüter, oft Wallache |
|
Alter Beginn |
8-10 Jahre |
5-10 Jahre |
|
Heilbar |
Nein |
Symptomatisch: ja. Idiopathisch: nein. |
|
Reit-Einschränkung |
Meist gering |
Kann stark sein |
Wann Tierarzt?
Sofort bei: - Neu auftretenden Symptomen - Verschlechterung - Zusätzliche Symptome (Fieber, Fressverweigerung)
Regelmäßig bei: - Chronischer Anamnese — Kontrollen - Verlauf-Dokumentation
Was du zu Hause tun kannst
Bei Shivering
• Weidegang so viel wie möglich
• Sanft Hufe aufheben (nicht ziehen)
• Vitamin E und Magnesium ergänzen
• Beschlag-Termine ruhig planen
Bei Headshaking
• UV-Fliegenmaske ganztags
• Nasennetz ausprobieren
• Trigger identifizieren (Licht? Wetter?)
• Ruhige Trainingszeiten
Ergänzungsfutter zur Unterstützung
Bei beiden: - Magnesium — Nerven-Beruhigung - Vitamin E — Nerven-Schutz - NURA Kopfklar — Kräuter-Extrakt für Nerven - B-Vitamine
Lebensqualität sichern
Bei beiden Erkrankungen
• Realistische Erwartungen
• Managementbasiert
• Regelmäßige Bewegung
• Sozialkontakt
• Bei starken Symptomen: Lebensqualität ehrlich prüfen
Häufige Fragen von Haltern
“Habe ich etwas falsch gemacht?”
Nein — beide Erkrankungen sind meist genetisch oder neurologisch, keine Fehler.
“Ist es Schmerz?”
Shivering: meist nicht. Headshaking: vermutlich Nerven-Schmerz (Trigeminus).
“Ansteckend?”
Nein.
“Werde ich es weiterverkaufen können?”
Ehrlichkeit gegenüber Käufer — Pflicht.
FAQ: Shivering und Headshaking
Sind die Erkrankungen heilbar?
Beide nicht — aber managbar.
Kann ich mit Shivering-Pferd Sport machen?
Meist ja — mit Einschränkungen.
Ist Headshaking-Pferd noch reitbar?
Kommt auf Schwere an — in vielen Fällen ja, mit Anpassungen.
Was sagt der Kaufvertrag?
Bei bekannter Erkrankung offenbaren — Pflicht.
Bekomme ich Versicherungs-Leistung?
Meist ja — bei OP-Versicherungen.
Gibt es Selbsthilfe-Gruppen?
Ja — online über Foren und Facebook.
Kann Fütterung Symptome verstärken?
Manche ja — zuckerreiche Fütterung meiden.
Ist Kastration bei Wallach hilfreich?
Bei Hengst-Aggression vielleicht — bei Headshaking nicht bewiesen.
Können junge Pferde betroffen sein?
Selten — meist ab mittlerem Alter.
Was ist die neueste Forschung?
Nervenblockaden bei Headshaking, genetische Marker bei Shivering.
Fazit: Zwei rätselhafte Erkrankungen — mit Management leb-bar
Shivering und Headshaking sind keine Todesurteile — aber sie erfordern Verständnis, Anpassung und Realismus. Mit gutem Tierarzt, richtigem Management und Geduld ist ein glückliches Pferde-Leben trotzdem möglich.
Im kavalio Onlineshop findest du NURA Kopfklar für Nerven-Unterstützung, UV-Fliegenmasken für Headshaker und Ergänzungsfutter zur Basisversorgung.
Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Verdacht auf eine der Erkrankungen unbedingt Fachtierarzt einbeziehen.
Lese-Tipps: Ergänzend findest du unsere Beiträge zum Kreuzverschlag, zum Cushing/PPID und zum EMS beim Pferd.

