Shivering & Headshaking beim Pferd: Symptome, Ursachen & was du tun kannst

Shivering & Headshaking beim Pferd: Symptome, Ursachen & was du tun kannst

Zittern der Hinterhand oder ständiges Kopfschütteln — Shivering und Headshaking sind zwei rätselhafte Erkrankungen, die den Alltag deines Pferdes stark einschränken können. Wir zeigen dir, wie du sie erkennst, welche Ursachen dahinterstecken und was hilft. Von den ersten Symptomen bis zu Therapie-Optionen — mit ehrlichen Einordnungen zu ihrer Behandelbarkeit.

Turnier-Ausrüstung & Regeln: Was du wissen und dabei haben musst Du liest Shivering & Headshaking beim Pferd: Symptome, Ursachen & was du tun kannst 6 Minuten Weiter Gamaschen vs. Streichkappen: Wann brauchst du was?

Shivering und Headshaking sind zwei neurologische Erkrankungen, die noch nicht vollständig verstanden sind — aber definitiv real. Betroffene Pferdehalter erleben oft eine lange Suche nach der richtigen Diagnose. In diesem Guide erfährst du alles, was aktuell bekannt ist.

Shivering: Was ist das?

Shivering ist eine neurologische Erkrankung, bei der die Hinterhand-Muskulatur bei bestimmten Bewegungen unkontrolliert zittert oder verkrampft — vor allem beim Aufheben der Hufe oder beim Rückwärts-Gehen.

Symptome erkennen

Klassische Anzeichen: - Zittern der Hinterhand beim Hufaufheben - Anhebeln des Beines über normale Höhe - Ruckartige Bewegungen - Schwierigkeiten beim Rückwärts-Gehen - Muskelverspannungen in Kruppe - Manchmal Schweifzittern

Steigerung im Verlauf: - Anfangs nur beim Hufkratzen - Später auch beim Beschlag - Fortgeschritten: auch in Ruhe

Wann fällt es auf?

Häufig zuerst beim: - Hufauskratzen - Schmied-Termin - Rückwärts-Führen - Aus engen Boxen

Wer ist betroffen?

•          Große Warmblüter häufig

•          Kaltblüter überproportional

•          Selten Vollblüter

•          Meist ältere Pferde (ab 8-10 Jahre)

•          Geschlecht egal

Ursachen

Nicht vollständig geklärt. Vermutet werden: - Neurologische Störung der Nerven-Muskel-Übertragung - Genetische Komponente - Bewegungs-Koordinations-Störung

Ausgeschlossen: - Schmerz ist es meist nicht - Muskelerkrankung nicht die Hauptursache

Diagnose

Meist Ausschluss-Diagnose: - Klinische Untersuchung - Videos an Tierarzt schicken - Bewegungsanalyse - Ggf. weitere Tests zum Ausschluss

Nicht mit Kreuzverschlag oder PSSM zu verwechseln!

Behandlung: Was hilft?

Ehrliche Antwort: Es gibt keine Heilung.

Aber management-basiert helfen:

Bewegung: - Regelmäßige, sanfte Bewegung - Weidegang — sehr hilfreich - Kein Boxen-Halten

Fütterung: - Vitamin E — hoch dosiert - Magnesium - Wenig Zucker/Stärke (wie PSSM-ähnlich)

Beim Schmied: - Erfahrenen Schmied wählen — kein Ziehen - Ggf. sedieren vorher - Regelmäßige Termine kürzer machen

Reiten: - Möglich meist ohne Einschränkung - Fokus auf Losgelassenheit - Kein Zwang

Prognose

•          Chronisch und progressiv

•          Mit Management langes Reit-Leben möglich

•          Aber: irgendwann Einschränkungen

Headshaking: Was ist das?

Headshaking-Syndrom ist eine Erkrankung, bei der das Pferd unkontrolliert und zwanghaft den Kopf schüttelt — meist vertikal, seltener horizontal.

Symptome erkennen

Klassisches Bild: - Ruckartige Kopfbewegungen (vor allem vertikal — “Nickerbell”) - Schnauben - Reiben der Nase an Beinen oder Objekten - Ausschütteln — als ob “Fliegen weg wollten” - Weniger Fresslust in schweren Phasen - Schlechte Rittigkeit

Steigerung: - In der Sonne oft stärker - Nach Belastung - In bestimmten Jahreszeiten (meist Frühling/Sommer)

Zwei Formen

Idiopathisches Headshaking: - Ohne erkennbare Ursache - Häufigste Form - Trigeminus-Neuralgie vermutet

Symptomatisches Headshaking: - Mit Ursache (Zähne, Ohren, Fremdkörper) - Muss behandelt werden

Wer ist betroffen?

•          Rund 60% Wallache

•          Warmblüter oft

•          Ab 5-10 Jahre

•          In Deutschland einige Tausend Pferde betroffen

Ursachen

Idiopathisches Headshaking: - Trigeminus-Neuralgie (Nervenreizung im Gesichtsbereich) - Vermutet: Photischer Reiz (Licht triggert) - Genetische Komponente möglich

Symptomatisch: - Zahnprobleme (Backenzahn-Wurzel-Entzündung) - Ohrenmilben oder Fremdkörper - Nasennebenhöhlen-Entzündung - Allergien - Falsches Zaumzeug - Kiefer-Probleme

Diagnose

Erst Ausschluss aller anderen Ursachen:

•          Tierarzt eingehend untersuchen

•          Zähne kontrollieren

•          Ohren untersuchen

•          Nasennebenhöhlen röntgen ggf.

•          Bluttest auf Allergien

•          Video-Dokumentation an Spezialisten

Behandlung

Symptomatisch: - Ursache beheben — sofort besser

Idiopathisch:

Konservativ: - Nasennetz (blockt Lichteinfall) - UV-Fliegenmaske ganztags - Ruhige Reit-Zeiten (früh oder abends) - Weiches Gebiss - Ggf. gebisslos

Medikamentös: - Magnesium — bei vielen wirksam - Cyproheptadin — Antihistamin - Melatonin — Testphase - Carbamazepin — Nerven-Medikament - Alle nur auf Verordnung

Operative Ansätze: - Nervenblockade (Trigeminus) - Aktuell erforscht - Nicht Standard

Prognose

•          Sehr individuell

•          Manche Pferde über Jahre stabil managbar

•          Andere schwer betroffen

•          Reiten oft nur eingeschränkt möglich

Vergleich Shivering vs. Headshaking

Kriterium

Shivering

Headshaking

Symptom

Zittern Hinterhand

Kopfschütteln

Auslöser

Hufheben, Rückwärts

Licht, Wärme, unspezifisch

Häufigkeit

Selten

Häufig

Rasse-Präferenz

Große Warmblüter, Kaltblüter

Warmblüter, oft Wallache

Alter Beginn

8-10 Jahre

5-10 Jahre

Heilbar

Nein

Symptomatisch: ja. Idiopathisch: nein.

Reit-Einschränkung

Meist gering

Kann stark sein

Wann Tierarzt?

Sofort bei: - Neu auftretenden Symptomen - Verschlechterung - Zusätzliche Symptome (Fieber, Fressverweigerung)

Regelmäßig bei: - Chronischer Anamnese — Kontrollen - Verlauf-Dokumentation

Was du zu Hause tun kannst

Bei Shivering

•          Weidegang so viel wie möglich

•          Sanft Hufe aufheben (nicht ziehen)

•          Vitamin E und Magnesium ergänzen

•          Beschlag-Termine ruhig planen

Bei Headshaking

•          UV-Fliegenmaske ganztags

•          Nasennetz ausprobieren

•          Trigger identifizieren (Licht? Wetter?)

•          Ruhige Trainingszeiten

Ergänzungsfutter zur Unterstützung

Bei beiden: - Magnesium — Nerven-Beruhigung - Vitamin E — Nerven-Schutz - NURA Kopfklar — Kräuter-Extrakt für Nerven - B-Vitamine

Lebensqualität sichern

Bei beiden Erkrankungen

•          Realistische Erwartungen

•          Managementbasiert

•          Regelmäßige Bewegung

•          Sozialkontakt

•          Bei starken Symptomen: Lebensqualität ehrlich prüfen

Häufige Fragen von Haltern

“Habe ich etwas falsch gemacht?”

Nein — beide Erkrankungen sind meist genetisch oder neurologisch, keine Fehler.

“Ist es Schmerz?”

Shivering: meist nicht. Headshaking: vermutlich Nerven-Schmerz (Trigeminus).

“Ansteckend?”

Nein.

“Werde ich es weiterverkaufen können?”

Ehrlichkeit gegenüber Käufer — Pflicht.

FAQ: Shivering und Headshaking

Sind die Erkrankungen heilbar?

Beide nicht — aber managbar.

Kann ich mit Shivering-Pferd Sport machen?

Meist ja — mit Einschränkungen.

Ist Headshaking-Pferd noch reitbar?

Kommt auf Schwere an — in vielen Fällen ja, mit Anpassungen.

Was sagt der Kaufvertrag?

Bei bekannter Erkrankung offenbaren — Pflicht.

Bekomme ich Versicherungs-Leistung?

Meist ja — bei OP-Versicherungen.

Gibt es Selbsthilfe-Gruppen?

Ja — online über Foren und Facebook.

Kann Fütterung Symptome verstärken?

Manche ja — zuckerreiche Fütterung meiden.

Ist Kastration bei Wallach hilfreich?

Bei Hengst-Aggression vielleicht — bei Headshaking nicht bewiesen.

Können junge Pferde betroffen sein?

Selten — meist ab mittlerem Alter.

Was ist die neueste Forschung?

Nervenblockaden bei Headshaking, genetische Marker bei Shivering.

Fazit: Zwei rätselhafte Erkrankungen — mit Management leb-bar

Shivering und Headshaking sind keine Todesurteile — aber sie erfordern Verständnis, Anpassung und Realismus. Mit gutem Tierarzt, richtigem Management und Geduld ist ein glückliches Pferde-Leben trotzdem möglich.

Im kavalio Onlineshop findest du NURA Kopfklar für Nerven-Unterstützung, UV-Fliegenmasken für Headshaker und Ergänzungsfutter zur Basisversorgung.

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Verdacht auf eine der Erkrankungen unbedingt Fachtierarzt einbeziehen.

Lese-Tipps: Ergänzend findest du unsere Beiträge zum Kreuzverschlag, zum Cushing/PPID und zum EMS beim Pferd.