Bei Kopfscheu, Anlehnungs-Problemen oder unruhigem Verhalten unter der Trense fragen sich viele Reiter: Ist meine klassische Trense überhaupt das Richtige für mein Pferd? Das Micklem-Zaumzeug, entwickelt vom irischen Reit-Experten William Micklem, ist eine Antwort auf viele Passform-Probleme herkömmlicher Trensen. In diesem Guide zeigen wir dir, was dahintersteckt.
Was ist das Micklem-Zaumzeug?
Das Micklem-Zaumzeug ist ein anatomisch entwickeltes Zaumzeug, das die empfindlichen Nervenpunkte und Knochenstrukturen im Pferdekopf gezielt umgeht — anders als viele klassische Trensen.
Wer war William Micklem?
William Micklem ist irischer Pferdesport-Experte, Autor und Ausbilder. Als Bruder des legendären Vielseitigkeitstrainers Ian Micklem hat er sich jahrzehntelang mit Pferdeausbildung und Ausrüstung beschäftigt. Sein Zaumzeug ist das Ergebnis von jahrelanger Forschung mit Tierärzten und Reitausbildern.
Was macht es besonders?
Klassische Trensen legen Druck oft auf: - Nasenrücken (Nasenknorpel, kann Atmung beeinträchtigen) - Backenzähne (verbaute Backenriemen) - Nervenaustrittsstellen am Kiefer - Genickbereich
Das Micklem-Zaumzeug verlagert diese Druckpunkte gezielt weg von den empfindlichen Zonen — auf robustere, weniger sensible Bereiche.
Der anatomische Aufbau: Was ist anders?

Die Anatomie des Pferdekopfes
Um das Konzept zu verstehen, hilft ein Blick auf die anatomischen Details:
Empfindliche Zonen: - Nasenknorpel — sehr dünn, kann leicht beschädigt werden - Nervi infraorbitales — Austritt am Nasenrücken, extrem sensibel - Backenzähne — bis zu 5-8 cm nach oben in den Kiefer reichend - Kaumuskulatur — Verbindung zum Genick
Weniger empfindliche Zonen: - Stirnbein — solide Knochenstruktur - Jochbein (oberer Bereich) - Genick (mit Polsterung)
Die konkreten Unterschiede
Klassische Trense — mögliche Problemzonen: - Nasenriemen liegt oft auf Nasenknorpel - Backenriemen können auf Backenzähne drücken - Beim Sperrriemen: Druck auf Nerven - Reibung an sensiblen Bereichen
Micklem-Zaumzeug — anatomische Anpassung: - V-förmiger Nasenriemen — umgeht Nasenknorpel - Backenriemen deutlich höher — kein Kontakt zu Zähnen - Verzicht auf Sperrriemen — keine Nerven-Kompression - Weiche Polsterung an allen Kontaktpunkten
Die drei Varianten des Micklem
Micklem Competition Bridle
Für den Turniereinsatz: - FN-konform (in Deutschland) - Klassische Optik - Volle anatomische Passform - Mit Trense zu verwenden
Micklem Multibridle
Der Allrounder: - Umbaubar für verschiedene Nutzung - Ohne Trense verwendbar (als Kappzaum) - Mit Trense kombinierbar - Als Reithalfter oder gebisslos
Der Vorteil: Ein Zaumzeug für verschiedene Anwendungen — Reit-, Boden- und Wanderarbeit.
Micklem Deluxe
Die Premium-Variante: - Hochwertigstes Leder - Zusätzliche Polsterung - Verstellbare Details - Für lange Ritte
Klassische Trense vs. Micklem: Direktvergleich
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Kriterium |
Klassische Trense |
Micklem-Zaumzeug |
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Druckverteilung |
Auf Nasenknorpel, Backen |
Auf robuste Knochenbereiche |
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Backenzähne-Kontakt |
Möglich |
Ausgeschlossen |
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Sperrriemen |
Meist vorhanden |
Nicht nötig |
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Passform |
Standard |
Anatomisch |
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Anwendungsbereich |
Klassisches Reiten |
Auch gebisslos möglich |
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FN-tauglich |
Ja |
Ja (Competition-Modell) |
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Preis |
100-250 € |
180-450 € |
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Ideal bei |
Unproblematischen Pferden |
Sensible, kopfscheue Pferde |
Wann ist das Micklem besonders sinnvoll?

Ideal bei diesen Problemen
1. Kopfscheue Pferde - Nervöses Kopfschütteln - Unruhige Anlehnung - Ohren-Legen - Zähneknirschen
2. Anlehnungs-Probleme - Hinter der Anlehnung - Wechselnde Anlehnung - Zurück-nehmen des Kopfes
3. Zahnprobleme oder Sensibilitäten - Nach Zahn-OP - Bei Fehlstellungen der Backenzähne - Bei alten Verletzungen
4. Junge Pferde - In der Erstausbildung - Bei Zahnwechsel - Zur sanften Gewöhnung
5. Rehabilitationspferde - Nach Trense-Trauma - Bei Widersetzlichkeit unbekannter Ursache - Zur “Neustart”-Ausbildung
Weniger sinnvoll bei
• Bereits gut laufenden Pferden ohne Probleme
• Sport-Turnier-Pferden mit etablierter Ausrüstung
• Nur aus modischem Grund (“weil es alle haben”)
Die richtige Anpassung
Größentabelle (Richtwerte)
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Größe |
Für Pferdekopf |
Rassen (Beispiele) |
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Pony |
30-40 cm |
Shetlandpony, Welsh |
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Cob |
40-50 cm |
Haflinger, Fjord |
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Full |
50-60 cm |
Warmblut, Vollblut |
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X-Full |
60+ cm |
Große Warmblüter, Kaltblüter |
Anpassungs-Regeln
Stirnriemen: - Muss eng anliegen - Ohrenbasis nicht drücken - Zwei Finger sollten drunter passen
Nasenriemen (V-Form): - V-Öffnung liegt über Nasenknorpel - Nasenriemen deutlich unter Jochbein - Zwei Finger unter Nasenriemen passen
Backenstücke: - Höher als bei klassischer Trense - Klarer Abstand zu Backenzähnen - Nicht ins Auge drücken
Kinnriemen: - Sanft anliegend - Kein Zug
Häufige Anpassungs-Fehler
Fehler 1: Nasenriemen zu tief Lösung: Anheben, bis V klar auf Knochen liegt
Fehler 2: Backenriemen zu weit unten Lösung: Kürzer verschnallen
Fehler 3: Zu locker insgesamt Lösung: Anpassen — sollte fest, aber nicht spannt sein
Wie du das Micklem richtig einsetzt
Erster Kontakt
Nicht sofort reiten: - Erst führen damit - Bodenarbeit üben - Beobachten wie Pferd reagiert
Übergang von klassischer Trense
Phase 1: Vergleich (1-2 Wochen) - Beide Zaumzeuge verwenden - Reaktion beobachten - Reiter-Gefühl vergleichen
Phase 2: Micklem-Fokus (2-4 Wochen) - Micklem in täglichem Training - Trense als Backup - Fortschritte dokumentieren
Phase 3: Etablierung (ab Woche 4) - Micklem als Standard - Feineinstellung vornehmen - Ggf. andere Anpassungen
Kombinieren mit Gebiss
Kompatibel mit den meisten Trensen-Gebissen: - Wassertrense - Doppelt gebrochene Trense - Baucher-Trense - Ähnliche Formen
Nicht kompatibel: - Kandare (dafür klassische Ausrüstung nötig) - Sehr harte Gebiss-Formen
Kritik und Grenzen
Wo das Micklem nicht wundern kann
• Reit-Fehler kaschieren nicht durch Ausrüstung
• Verhaltensprobleme durch andere Ursachen bleiben
• Sattelzwang braucht Sattler
• Zahnprobleme brauchen Tierarzt
Kritische Stimmen
Manche Reiter sagen: - “Zu weich” für starke Pferde - “Modeerscheinung” - “Klassische Trense reicht”
Realistisch betrachtet: - Für manche Pferde deutliche Verbesserung - Für andere kein Unterschied spürbar - Einzelfall-Entscheidung — Ausprobieren lohnt
Pflege und Haltbarkeit
Reinigung
• Nach jedem Reiten trocken abwischen
• Wöchentlich Leder pflegen
• Polsterung trocknen lassen
Leder-Pflege
• Neatsfoot-Öl oder Lederpflege
• Nicht überfetten
• Bei Nässe direkt trocknen
Wartung
• Nähte prüfen regelmäßig
• Schnallen funktionsfähig
• Polsterung kontrollieren
Bei guter Pflege: 5-10 Jahre Haltbarkeit.
Kosten und Kaufberatung
Preisbereiche
• Einsteiger: 180-250 € (Standard-Ausführung)
• Mittelklasse: 250-350 € (bessere Materialien)
• Premium: 350-450 € (Deluxe-Variante)
Kauf-Kriterien
Achte auf: - Original-Micklem (viele Nachahmungen) - Passgenauigkeit deines Pferdes - Verarbeitung (Nähte, Leder-Qualität) - Rückgaberecht falls Passform nicht stimmt
Wo kaufen?
• Fachhandel — bester Service
• Online mit Beratung
• Original nur bei autorisierten Händlern
Erfahrungsberichte aus der Praxis
Positive Erfahrungen
Kopfscheue Pferde: - Deutlich ruhiger unter der Reiterin - Weniger Kopfschütteln - Bessere Anlehnung
Nach Zahnbehandlung: - Sofortige Verbesserung des Wohlbefindens - Weniger Empfindlichkeit - Motivierteres Arbeiten
Junge Pferde: - Sanfterer Einstieg in die Reitausbildung - Weniger Widerstand
Neutralere Erfahrungen
• Bei unproblematischen Pferden kein spürbarer Unterschied
• Reiter-Handhabung ähnlich wie klassische Trense
• Preis ist Investment, kein Wunder
FAQ: Micklem-Zaumzeug
Ist das Micklem für jedes Pferd?
Nicht zwingend — besonders sinnvoll bei sensiblen Pferden.
Kann ich es auf Turnier reiten?
Ja — Competition-Modell ist FN-konform.
Muss ich mein Gebiss wechseln?
Nein — die meisten Trensen-Gebisse passen.
Ist es teurer als eine klassische Trense?
Ja — 20-50% mehr, aber gute Investition bei Bedarf.
Kann ich damit auch gebisslos reiten?
Ja — die Multibridle-Variante ist gebisslos einsetzbar.
Sollte ich einen Ausbilder für Umstellung?
Empfehlenswert — für optimale Anpassung.
Passt das Micklem zu jeder Rasse?
Ja — in verschiedenen Größen erhältlich.
Hält es lange?
Bei guter Pflege 5-10 Jahre.
Woran erkenne ich, ob es meinem Pferd hilft?
Ruhigeres Verhalten, bessere Anlehnung, motiviertes Arbeiten.
Kann ich es selbst anpassen?
Grundeinstellung ja — bei Unsicherheit Fachperson.
Fazit: Ein gutes Werkzeug, kein Wundermittel
Das Micklem-Zaumzeug ist eine der interessantesten Entwicklungen im Bereich Zaumzeug der letzten Jahrzehnte. Für sensible, kopfscheue oder anlehnungsschwierige Pferde kann es eine echte Verbesserung sein. Aber: Es ist kein Wundermittel — Reit-Fehler oder unpassender Sattel bleiben Probleme, auch mit dem besten Zaumzeug.
Im kavalio Onlineshop findest du eine Auswahl an anatomischen Zaumzeug-Optionen und passenden Gebissen — inklusive Beratung, welches System zu deinem Pferd passt.
Lese-Tipps: Ergänzend findest du unsere Beiträge zum Gebiss-Guide, zur Trense richtig verschnallen und zum Trensen-Vergleich.


